Welche Zukunft haben Deutschlands Großbanken?

Frankfurter Bankenskyline

Der vergangene Freitag in Frankfurt war düster. Nicht nur das Wetter, auch die Stimmung in den zwei größten Bankhäusern Deutschlands trübte sich ein. Während die Commerzbank eine fundamentale Restrukturierung samt Entlassung von knapp 10 000 Mitarbeitern ankündigte, wurde die Deutsche Bank von Spekulanten erstmals unter einen Kurs von 10 Euro je Aktie gedrückt. Zwar drehte dieser zum Abend wieder nach oben, weil durchsickerte, dass die ursprünglich aufgerufenen 14 Mrd Dollar Strafe an die US-Behörden nicht voll anfallen. Wie und ob Deutschlands größte Banken aber wieder auf die Beine kommen können, bleibt offen. Die ganze Branche steckt in einer Existenzkrise.

Nach der großen Finanzkrise 2007/2008 konnten die meisten Institute zumindest wieder Gewinne ausweisen, diese gingen jedoch zu einem nicht unerheblichen Teil auf die einmaligen, kurzfristigen Effekte der geänderten Zentralbankpolitik zurück. Während die neuen Null- und Niedrigzinsen anfangs den Bestand in den Bankbilanzen aufwerteten, spürt man heute immer stärker ihren belastenden Druck auf das Neugeschäft. Die Zinsspanne, als Maß für die Profitabilität des Kreditgeschäfts, ist historisch niedrig. Mit Kundeneinlagen ohne Gebühren oder Negativzinsen wird praktisch nicht mehr verdient, sondern Verlust gemacht. Bei der Kreditvergabe lässt sich zwar weniger, aber immerhin noch etwas verdienen. Gerade Wohnungsbaukredite sind deshalb im Trend.

Aber reicht das? Reicht das, um unsere Großbanken langfristig zu stabilisieren?

Diese stehen nämlich noch an mehreren Fronten unter enormen Druck:

  1. Zahlreiche neue Regulierungen erfordern allein schon in der Umsetzung viel Aufmerksamkeit und Ressourcen.
  2. Einst gewinnbringende Geschäftszweige wie das Investmentbanking werden zunehmend unattraktiv.
  3. Die Digitalisierung und innovative Fintechs sorgen für einen neuen Wettbewerbsfaktor, auf den viele Häuser noch nicht richtig eingestellt sind.

Zusätzlich möchte ich bei unseren großen Banken auf einen weiteren Punkt aufmerksam machen, der aus meiner Sicht zu oft unter den Tisch fällt:

Die Komplexität.

In der Vergangenheit sind sowohl Deutsche als auch Commerzbank durch mehrere Fusionen (Postbank, Dresdner Bank, …) zu enormer Größe angewachsen – und das nicht nur von der Bilanzsumme her. Vor allem organisatorisch stehen beide Häuser deshalb immer noch vor nicht zu unterschätzenden Herausforderungen. Unterschiedliche Geschäftsfelder, Kulturen und Systeme mussten zusammengeführt werden. Das ist keine Aufgabe, die sich von heute auf morgen umsetzen lässt. Noch immer ist es in den Großkonzernen ein organisatorischer Kraftakt, selbst kleinste Veränderungen in wichtigen Geschäftsabläufen global umzusetzen. Allein die Frage, welche der unzähligen IT-Systeme eine geplante Änderung vornehmen sollen und welche dazu technologisch überhaupt in der Lage sind, kann zum gordischen Knoten werden. Die behäbigen und reibungsintensiven Konzern-Anpassungsprozesse müssen sich allerdings immer öfter im direkten Wettbewerb mit agilen Fintechs messen lassen. Wie das gut gehen kann, treibt nicht nur die Chefetagen in der Taunusanlage und am Kaiserplatz um, sondern auch ihre tausenden Bank-Mitarbeiter.

Zwar stehen auf der Habenseite immer noch viele Skaleneffekte und auch ein wenig die implizite Staatsgarantie, die mit der Bankengröße verbunden sind, aber letztlich ist es offener denn je, wohin sich der Finanzsektor im aktuellen Umfeld entwickelt. Fest steht nur, dass der Trend in Richtung radikaler Digitalisierung geht.

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Hintergrundinformationen zum europäischen Bankenmarkt:

Größe der Europäischen Banken im Vergleich (Total Exposure) - Quelle: EBA

Größe der europäischen Banken im Vergleich (Total Exposure) – Quelle: EBA; Deutsche Banken rot hervorgehoben

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