Was macht einen guten Abgeordneten aus?

In diesem Blog habe ich zu Jahresbeginn eine Serie für eine wettbewerbliche und leistungsorientierte Parteikultur gestartet, die ich in den kommenden Monaten fortführen will. An dieser Stelle möchte ich aber noch einmal einen Schritt zurücktreten und die Frage stellen, was eigentlich ein funktionierender Wettbewerb hervorbringen sollte, also: Was macht einen guten Abgeordneten oder eine gute Abgeordnete* aus?

Diese Frage ist insbesondere als Anregung und Erinnerung für jene Zeiten gedacht, in denen wieder Listen aufgestellt werden und sich die Bewerber um die besten Posten warmlaufen. Dann kann die folgende Zusammenfassung vielleicht eine geeignete Orientierungshilfe sein.

Im Grunde hat jeder Abgeordnete zuallererst mal die Funktion, seine Wähler gut zu vertreten. Außerdem soll er vernünftige Gesetze bzw. Lösungen erarbeiten und durchsetzen können sowie die Regierung kontrollieren. Soweit so gut, aber welche Fähigkeiten braucht er dafür? Das habe ich in Facebook gefragt und die Antworten um meine Vorstellungen ergänzt sowie in eine bewusste Reihenfolge gebracht.

Integrität. Er sollte aus Überzeugung sprechen und handeln, den Menschen nichts vormachen.
Unabhängigkeit. Er sollte nicht finanziell vom Politikbetrieb abhängig sein und seine Entscheidungen auch nicht von der Unterstützung bestimmter Interessensgruppen abhängig machen.
Visionarität. Er sollte langfristige Grundüberzeugungen verfolgen, etwas in der Politik nachhaltig verändern wollen und sich nicht nach kurzfristigen Stimmungen richten.
Überzeugendes Auftreten und kommunikative Stärke. Er sollte seine Position ansprechend und verständlich rüber bringen aber auch zuhören können und bei öffentlichen Anlässen souverän auftreten.
Bildung. Er sollte über eine große Allgemeinbildung insbesondere in politischen Themen verfügen, um alle wichtigen Entscheidungen zu verstehen und auch erklären zu können sowie in der Lage sein, sich schnell in neue Themen einzuarbeiten.
Kritische Denkfähigkeit mit charakterlicher Stärke. Er sollte seine eigene Position und die seiner Partei immer wieder hinterfragen und in Fraktionssitzungen den Mund zum Widerspruch aufbringen – und falls das nichts hilft, auch mal gegen die Mehrheitsmeinung stimmen, wenn er meint, dass das seinen und den Partei-Grundsätzen besser entspricht.
Empathie und Respekt. Er sollte sich in die Menschen und ihre Situationen hineinversetzen können, die er mit seinen Entscheidungen beeinflusst und Respekt vor deren Situation und Willen haben.
Glaubwürdigkeit und Verbindlichkeit. Er sollte seine Versprechen halten und die Größe haben, offen dazu stehen, wenn er sie einmal doch nicht durchsetzen konnte.
Sachkompetenz. Er sollte in seinem eigenen Sachgebiet sattelfest sein, um sich nicht von Verhinderungsargumenten der Lobbyisten aus dem Konzept bringen lassen zu müssen.
Passend im Gesamtgefüge. Er sollte teamfähig sein und die bestehende Mannschaft gut ergänzen (z.B. fachlich, aber auch Vertretung aller relevanten Gruppen).
Innovationskraft und Offenheit für Neues. Er sollte eigene Impulse bringen, bestehende Verhaltensweisen in Frage stellen aber auch Anregungen aus der Partei im Dialog aufgreifen.
Energie/Antrieb/Fleiß. Er sollte voll bei der Sache sein und die Kraft haben, den anspruchsvollen Parlamentsalltag zu meistern.
Berufs-/Lebenserfahrung. Er sollte seine Erfahrungen einbringen und gelernt haben, mit schwierigen Situationen und Belastungen (körperliche, aber auch psychische) umzugehen.
Vernetzung und Politik-Erfahrung. Er sollte parteiintern aber auch darüber hinaus gut vernetzt sein und parteipolitische Erfahrung mitbringen, um möglichst viele Ansichten in seine Entscheidungen und seine Arbeit mit einziehen zu können.

*im Text verwende ich natürlich das generische Maskulinum.

————— Zusatz ————–
Von Abgeordneten, die nicht direkt sondern über die Parteiliste gewählt wurden, ist in besonderem Maß eine Orientierung an der Partei-Beschlusslage (noch wesentlich stärker als an der Fraktion) zu erwarten.

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